Zum Hauptinhalt springen

MedienmitteilungVeröffentlicht am 6. März 2026

Bodengestützte Luftverteidigung grösserer Reichweite: Bundesrat prüft die Beschaffung eines zusätzlichen Systems

Bern, 06.03.2026 — Angesichts der angespannten geopolitischen Lage und der zunehmenden Bedrohung durch Distanzwaffen will der Bundesrat die Luftverteidigung gezielt stärken. Neben der Beschaffung des Systems zur bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite Patriot wird die Beschaffung eines zusätzlichen, bevorzugt in Europa produzierten, Systems geprüft. Dies hat er an seiner Sitzung vom 6. März 2026 entschieden.

Die Bedrohungslage in Europa hat sich in den vergangenen Jahren verschärft; insbesondere durch die Weiterentwicklung und zunehmende Verfügbarkeit von Abstandswaffen und Drohnen. Die Bedrohung durch einen Angriff aus der Distanz hat auch für die Schweiz zugenommen; insbesondere können grenzüberschreitende Schläge unterhalb der Kriegsschwelle zur Abschreckung, Erpressung oder Destabilisierung – auch von umliegenden Ländern – eingesetzt werden.

Vor diesem Hintergrund stellen – neben hybriden Bedrohungen – Angriffe aus der Distanz die wahrscheinlichste Bedrohung für die Schweiz dar. Zum Schutz der Bevölkerung, der staatlichen Handlungsfähigkeit sowie ziviler und militärischer kritischer Infrastrukturen sind deshalb eine wirksame Luftverteidigung notwendig. Die bodengestützte Luftverteidigung grösserer Reichweite ist dabei ein zentrales Mittel, dessen Fähigkeiten nicht durch andere Mittel ersetzt werden können; insbesondere nicht bei der Abwehr ballistischer Lenkwaffen.

Prüfung der Beschaffung zusätzlicher Systeme bodengestützter Luftverteidigung grösserer Reichweite

Im Juli 2025 informierte die US-Regierung das VBS, dass die Auslieferung der Patriot-Systeme zugunsten der Unterstützung der Ukraine neu priorisiert werde. Am 25. Februar 2026 wurde der Rüstungschef anlässlich der Defence Talks über den Umfang und die Dauer möglicher Verzögerungen sowie allfällige Mehrkosten informiert. Alle fünf Patriot-Feuereinheiten wurden von den USA umpriorisiert. Die Verzögerung beträgt nach aktuellem Kenntnisstand vier bis fünf Jahre. Die verzögerte Auslieferung führt zudem zu signifikanten Mehrkosten.

Der Bundesrat hält aufgrund der Wichtigkeit der Fähigkeit zur Abwehr von Angriffen aus der Distanz an der Beschaffung der Patriot-Systeme fest. Um jedoch die Folgen der Lieferverzögerungen zu reduzieren und künftig weitere Teile der Schweiz schützen zu können, beauftragt er das VBS, die Beschaffung eines zusätzlichen Systems zur bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite zu prüfen.

Dieses zweite System soll bevorzugt in Europa produziert werden. Konkret heisst das, dass es sich um ein europäisches System oder um ein aussereuropäisches System, das in Europa hergestellt wird, handeln müsste. Einerseits sinkt dadurch die Abhängigkeit von einer einzelnen Lieferkette bzw. eines einzelnen Staates und andererseits kann damit die Verfügbarkeit besser abgesichert werden.

Finanzierung im Rahmen des Armeebudgets

Die notwendigen finanziellen Mittel für die Beschaffung eines zweiten Systems zur bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite würden im Rahmen einer Armeebotschaft oder einer Sonderbotschaft beantragt. Die Finanzierung würde im Rahmen des ordentlichen Armeebudgets erfolgen.

Mit dem parallelen Vorgehen reduziert die Schweiz das Risiko aus unbestätigten Lieferterminen und nicht spezifizierbaren Mehrkosten. Gleichzeitig würde die Schutzwirkung gegen Angriffe aus der Distanz mit einem zweiten System ausgebaut.

Das VBS wird dem Bundesrat über die Ergebnisse der Prüfung bis im Sommer 2027 Bericht erstatten.